Iwwerzeegend?

Ech well fir d’nächst Semester mäin Niewefach wiesslen. Als Niewefach well ech elo Rhetorik studeieren. Vue daat meng Uni di eenzeg an Däitschland ass, di Rhetorik als Studiengang ubidd, ass vill Undrang. Dofir muss all Bewerber en klengen Motivatiounsessay schreiwen, wu dra stoen soll, wisou een Rhetorik studeieren well. Hei mäin Essay (allerdings ouni deen leschten Deel, deen, menges Erachtens no, e bessen ze perseinlech ass, fir deen hei ze veröffentlechen)

Der Philosoph, der überzeugt.

Oder: Warum ich Rhetorik studieren will

Jeder Philosophie-Student stellt sich offensichtlich irgendwann im Laufe seines Studiums die Frage: Was bringt mir das alles? Was bringt es mir, die Theorien Aristoteles und Kants zu verstehen? Freilich wird eine der Antworten sein: Damit kann ich der Wahrheit über die Dinge in der Welt näher kommen. Ein etwas weniger illusionsbehafteter Student wird vielleicht entgegnen: Die Wahrheit wirst du nie finden, doch das Verstehen philosophischer Texte wird dir Anstöße dazu geben, selbst über Gott und die Welt zu philosophieren. Ein wahrhaftiger Philosoph wird wohl derjenige sein, der über Kant und Co hinaus, selbst versucht das Was, das Wie, die Wahrheit und das Wesentliche der Welt zu erkennen. Er wird selbst versuchen zu philosophieren.

Nun stellt sich beim Aufbau einer eigenen philosophischen Theorie ein grundsätzliches Problem: Die Sprache.

Zum Problem des Philosophen, seine Ideen auszuformulieren

Es ist, gerade in der Philosophie schwer, Ideen sprachlich zu formulieren, da es oft in der Umgangssprache an Begriffen fehlt, die das ausdrücken, was der Philosoph eigentlich sagen will. Der Philosoph glaubt sich oft dazu gezwungen, Kunstbegriffe zu erfinden, die ihm zur Ideenformulierung verhelfen. Das Nichts nichtet (Heidegger) und das Sein des Seiendes ist Seiendheit (Aristoteles).

Der Laie in der Philosophie wird sich nun denken: Was soll dieses Fachjargon? Sicherlich hat das Herumspielen mit Begriffen einen Sinn, doch ist es einem unmöglich, zu verstehen, welchen Sinn! Was soll man unter ‚Das Nichts nichtet’ verstehen, wenn es in unserer Sprache das Verb ‚nichten’ überhaupt gar nicht gibt?

Darauffolgend wird der Laie wohl sagen: Diese Philosophie ist doch so was von weltfremd! Vielleicht hat er Recht. Vielleicht aber auch nicht. Doch, kein Wunder, dass er sich dermaßen negativ über eine solche Philosophie äußert, da sie schon prima facie unverständlich ist. Wie kann man den Laien vom Gegenteil überzeugen?

Der aufklärende Philosoph

Nun muss der Philosoph sprachgewandt sein, um seine Theorien verständlich zu vermitteln. Was nützt es dem Philosophen, eine neue These aufzustellen, die keiner versteht? Ein Elfenbeinturm-Philosoph wird sich wohl damit zufrieden geben, dass er es versteht und dass er nun glaubt zu wissen, ‚was die Welt im Innersten zusammenhält’.

Doch der echte Philosoph muss, ganz im Sinne der Aufklärung, versuchen, den Menschen die Augen zu öffnen. Die Aufgabe des Philosophen ist, unter anderen, die Menschen dazu zu veranlassen, Dinge in Frage zu stellen und zu zeigen, dass die Welt auch anders gesehen werden kann. Das Aufstellen von Kunstbegriffen ist eine Tätigkeit, die dieser Aufgabe nicht gerecht wird. Der Philosoph, wenn er wirklich etwas in der Welt bewegen will, wenn er wirklich die Meinung seiner Mitmenschen prägen will, muss versuchen zu überzeugen.

Dies kann er nur, wenn er sich des Werkzeuges der Sprache passend bedient.

Hört hört! Der Philosoph spricht!

Ich will Philosoph sein, der nicht nur selbst versteht, sondern auch zu verstehen gibt. Der Philosoph, sprudelnd vor außergewöhnlichen und dennoch logisch nachvollziehbaren Ideen, fühlt sicherlich den Drang, diese Ideen auszudrücken. Selbstverständlich will er auch, dass jemand diese Ideen hört und etwas damit anfangen kann. Was bringt uns das Philosophieren, wenn keiner zuhören will?

Als realistische Philosophie-Studentin bin ich mir bewusst, dass ich nicht nur durch adäquates, logisches Argumentieren überzeugen kann. Ich muss versuchen, meine Argumentation mit Mimik und Gestik, mit Sorgfalt und Gefühl zu unterstreichen. Dies erwarte ich, mit einem Studium der Rhetorik, zu lernen.

Rhetorik als Schule des Denkens

Außerdem teile ich Kleists Auffassung, die Rhetorik sei lautes Denken. Zum Verständnis der aristotelischen Metaphysik zum Beispiel benötigt man unbedingt Diskussion. Stundenlang saß ich schon vor dem Buch Gamma der Metaphysik und habe nichts kapiert. Hab ich aber mit einem Kommilitonen über diese Textstelle geredet, war auf einmal vieles klarer. Reden ist nicht nur wichtig, um sich mit anderen zu verständigen, sondern auch wichtig, um sich mit sich selbst zu verständigen, um in seinen Gedanken voranzukommen. Somit ist die Schulung in Rhetorik nicht nur eine Schule der Redekunst sondern auch (und vielleicht vor allem) eine Schule des Denkens. Rhetorik ist also, zum Studium der Philosophie, meiner Meinung nach, nicht nur nützlich sondern absolut notwendig.

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Published in: on Juli 11, 2009 at 3:13 pm  Comments (4)  
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Autonomie bei Kant

Ech hun grad a mengen aalen Dokumenter gestöbert an e Referat zum Kant sengem ‚Autonomie des Willens‘-Gedanken an der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten fonnt. Hei e klengen, modifizeierten Ausschnett, deen ech dorobshin, op Letzebuergesch kommenteieren waert.

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Ein moralisches Gesetz kann nur aus einem autonomen Willen entspringen , denn nur dieser gewährleistet dessen Unbedingtheit und Unmittelbarkeit. Setzen wir uns unsere Gesetze selbst, so wollen wir dieses Gesetz notwendigerweise und es ist garantiert, dass wir dieses Gesetz achten. Der Autonomiegedanke gewährleistet dass unser Wille gleichzeitig subjektiv und objektiv agiert, dass wir unseren eigenen Gesetzen folgen, die zugleich allgemeine Gesetze sind.

Laut Schiller hat „die Vernunft geleistet, was sie leisten kann, wenn sie das Gesetz findet und aufstellt.“[1] Die Vernunft hat also die Aufgabe, das Gesetz zu wählen, d.h. bei Kant, gesetzestaugliche Maximen zu wählen. Damit hat die Vernunft seinen Dienst getan, nun muss der „mutige Wille“[2] diese Gesetze vollstrecken.

Kant verlangt mit dem Autonomiegedanken, etwas durchaus Herausragendes von dem Menschen: Er fordert Entscheidung, Verantwortung, Sittlichkeit und vor allem Mut, den man dafür braucht die anderen 3 Forderungen zu erfüllen. Somit ist der 2te Abschnitt der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten meiner Ansicht nach, keineswegs ein bloß theoretischer Exkurs zum kategorischen Imperativ, sondern vielmehr eine aufklärerische Aufforderung, über sich selbst Verantwortung zu tragen, selbst zu entscheiden, und vor allem selbst zu wollen und zu denken. Wir können aus diesem Autonomie-Exkurs des 2ten Abschnitts, herauslesen, dass wir dadurch, dass wir fähig sind, autonome Entscheidungen zu treffen, eine gewisse Würde besitzen, die uns keiner nehmen kann.

Wie es Kant in seinem Aufsatz Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung sagt, ist es doch „so bequem, unmündig zu sein“.[3] Dementsprechend ist es doch so bequem, einem fremden Gesetz unterworfen zu sein. Denn, bin ich einem fremden Gesetz unterworfen, brauche ich mir nicht die „saure Mühe des Denkens“[4] zu geben, selbst eine gesetzestaugliche Maxime zu wählen.

Der Wille kann nur dann frei entscheiden, wenn er autonom ist. Nur insofern wir uns unserem eigenen Gesetze unterwerfen, sind wir frei von externen Einflüssen und Autoritäten, die es wagen, unseren Willen zu bestimmen. Überall ist Einschränkung der Freiheit, doch nur insofern wir uns selbst Gesetze geben können wir uneingeschränkt entscheiden und „räsonieren“[5], können wir unser Handeln selbst bestimmen und frei sein. Durch den Aufklärer, hier Kant, der uns über die Autonomie des Willens berichtet, „wird [uns] das Feld geöffnet“[6] um uns „frei zu bearbeiten“.[7] Dadurch, dass Kant uns sagt, dass wir Urheber eines moralischen Gesetzes sein können, hat er uns aufgerufen, diese Eigenschaft zu benutzen und zu fördern. Dementsprechend fordert er, durch das Prinzip der Autonomie, dass man Mut haben solle, sich seiner eigenen praktischen Vernunft zu bedienen.


[1] Schiller , Friedrich: Über die Grenzen der Vernunft. In: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. Bahr, Ehrhard (Hrsg.) Stuttgart 1996, S.54.

[2] Idem.

[3] Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. Bahr, Ehrhard (Hrsg.) Stuttgart 1996, S.9.

[4] Schiller , Friedrich: Über die Grenzen der Vernunft. In: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. BAHR, Ehrhard (Hrsg.) Stuttgart 1996, S.55.

[5] Cf. Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. Bahr, Ehrhard (Hrsg.) Stuttgart 1996, S.11.

[6] Idem. S. 15.

[7] Idem.

[8] Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. Bahr, Ehrhard (Hrsg.) Stuttgart 1996, S.9

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Waat kenne mer lo domadder ufänken? Desen Ausschnett aus dem Referat erschengt vläit engem, deen net sou gewinnt ass, eng philosophesch Arbescht ze liesen, e bessen ze theoretesch an iergendswei net wahnsinneg aufschlussreich. Ech waert mech beméihen, de Geigendeel ze beweisen.

Daat waat de Kant amfong seet, ech resumeieren, ass, daat, wa mier moralesch handelen, dest op Basis vun eisem eegenen Wellen maachen. D.h. mier handelen moralesch, well mier daat och tatsächlech esou wellen. Et huet keen eis firgeschriwwen, daat mier dest an daat net maachen sollten….mier hun eis et selwer firgeschriwwen. Dier kennt lo soen: Jo, mais moralesch Gesetzer gin et jo awer an der Bibel an soss an su religieis Texter…. daat ass natierlech richteg, an ech denken, daat vill Leit sech un di zing Geboter haalen. Mais firwaat haalen se sech dodrun? Well et an der Bibel steet?

Wann daat esou ass, dann handelen se gemäß engem ‚heteronomen‘ moraleschem Gesetz. Daat heescht, si handelen no eppes, waat net aus hierem Wellen entsprengt, mais des Handlung ass ‚fremdbestimmt‘.

Ech perseinlech fannen daat e bessen faul. Se handelen, well et hinnen gesoot gouf, esou ze handelen. ‚Et steet an der Bibel, da muss et jo baal richteg sin‘ seet de gudden Chrescht. D’Autoriteit ‚Bibel‘ seet hinnen, waat richteg ass.

Bon, ech leugnen net, datt d’zehn Geboter netzlech sin, an daat se duerchaus plausibel moralesch Gesetzer sin, dei och, onofhängeg vun der chreschtlecher Relioun, gellen kennen. Ech hun just e Probleem domadder, daat d’Leit sech op eng Autoriteit stützen an daat se vun hier, an engem gewessenen Mooss, ofhängeg sin.

Vill besser ass et dach, wann een sech op sech selwer verléisst. An daat well de Kant amfong soen: Di richteg, effektiv moralesch Gesetzer sin dei, di ech mer selwer setzen. Daat ech mech un der Bibel inspireieren, ass do natierlech kee Probleem. Mais ech handelen, well et meng Maxim ass, an net, well et eng Maxim aus der Bibel ass.

Dier denkt ierch lo vläit: Bah, kennt et dann do net op daat selwescht eraus? D’Gesetz usech bleiwt dobäi emmer d’selwescht. Jo, daat ass richteg. Mais ech mengen, ech befolgen daat Gesetz eischter, wann ECH et opgestallt hun, wann ECH decideiert hun, daat ze wellen, e.t.c. Et ass einfach mei di Garantie do, daat ech mech deem moraleschem Gesetz fügen.

Bon, mei dozou speider….et gett nach vill ze zielen.